Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin e. V. zur strukturellen und personellen Ausstattung von Brandverletztenzentren

1. Vorwort

Die Behandlung brandverletzter Patienten hat in den letzten Jahrzehnten in Deutschland durch die Einrichtung von Brandverletztenzentren einen hohen Standard erreicht. Eine qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung ist flächendeckend garantiert. Durch die Fortschritte der Medizin, neue Transplantationstechniken und die Züchtung patienteneigener Kulturhaut, ist es gelungen, die Überlebensrate der Patienten weiter zu steigern. Mit dem frühen Einsatz plastisch-rekonstruktiver Techniken können darüber hinaus Extremitäten erhalten werden, die früher, häufig im Sinne der Lebenserhaltung des Patienten, amputiert werden mussten. Die daraus resultierenden Herausforderungen und Chancen für die professionelle und soziale Rehabilitation der Patienten müssen in Zusammenarbeit aller hiermit vertrauten Institutionen und Personen angenommen und gelöst werden können.

Die gesetzlichen Unfallversicherungsträger haben der besonderen Problematik brandverletzter Patienten durch Einrichtung von Brandverletztenzentren an ihren Unfallkliniken Rechnung getragen. Durchgangsärzte, H-Ärzte und die zu den Verletzungsartenverfahren zugelassenen Krankenhäuser sind den Unfallversicherungsträgern gegenüber zukünftig angehalten, Brandverletzte entsprechend den Empfehlungen des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften in Zentren für Brandverletzte einzuweisen.

Der Begriff der post-traumatischen Lebensqualität ist gleichberechtigt neben das reine Überleben des Patienten oder seine funktionellen Fähigkeiten getreten. Die spezifischen Rehabilitationsmaßnahmen sind aber nicht nur auf schwerbrandverletzte Patienten beschränkt, sondern beziehen sich grundsätzlich auf alle Brandverletzte und sind nur in den entsprechenden Zentren gegeben. Daher ist zu fordern, dass alle stationär zu behandelnden Brandverletzten ausschließlich in Kliniken bzw. Abteilungen behandelt werden, die nachweislich über eine entsprechende Erfahrung verfügen.

Die Kontaktaufnahme mit den Brandverletztenzentren kann entweder direkt, oder über die zentrale Anlaufstelle in Hamburg (Tel. 040 / 42851-3998) erfolgen.
Diese Zentralstelle hält auch eine ständig aktualisierte Liste der am Vermittlungsverfahren beteiligten Krankenhäuser bereit. Über die Verlegung in ein Zentrum entscheidet der Arzt. Er informiert bei der telefonischen Rücksprache mit dem Zentrum über die Ausdehnung der Verbrennung, Begleitverletzungen und eingeleitete Therapien.

2. Indikationen für die stationäre Behandlung in Zentren für Brandverletzte Brandverletzte

Die stationäre Behandlung sollte in jedem Fall in einem Zentrum für Brandverletzte durchgeführt werden, wenn eine der folgenden Verletzungen vorliegt:

a) bei Erwachsenen

Verbrennungen 2. Grades von 15% und mehr der Körperoberfläche
Verbrennungen 3. Grades von 10 % und mehr der Körperoberfläche

b) bei Kindern

Verbrennungen 2. Grades von 10% und mehr der Körperoberfläche
Verbrennungen 3. Grades von 5% und mehr der Körperoberfläche

c) Verbrennungen 2. und 3. Grades oder entsprechende Schädigung durch chemische Substanzen mit Lokalisation im Gesicht, an der Hand, am Fuß oder im Genitalbereich - einschließlich der durch elektrischen Strom verursachten thermischen Schäden.

Inhalationstraumata, auch in Verbindung mit leichten äußeren Verbrennungen; vom Vorhandensein eines solchen ist grundsätzlich bei Explosionsunfällen auszugehen

3. Ausstattung der Zentren

Die baulich/apparativen und personellen Anforderungen, die für die Behandlung Schwerbrandverletzter zu erfüllen sind, liegen über denen anderer Intensivstationen. Dies gilt auch für die Bereiche der Physio- und Ergotherapie.

Aus diesem Grund sollten Behandlungszentren für Brandverletzte nur an Krankenhäuser angegliedert sein, die zum Verletzungsartenverfahren zugelassen sind.

3.1 Bauliche und apparative Ausstattung

Die Brandverletztenzentren sollten über folgende baulich/apparative Ausstattung verfügen:

  • Personenschleuse
  • Material- und Bettenschleuse
  • Heizbarer Aufnahme- und Schockraum mit Vorhalten aller Geräte für Reanimation oder sofortige Intensivtherapie (Beatmungsgerät, Pulsoxymeter, haemodynamische Überwachung, Bronchoskopie, Ultraschall) und direkt angegliedert
  • eine Intensivüberwachungs- und Behandlungseinheit mit mind. 4 Betten mit Einzelzimmern und der Möglichkeit maximaler Intensivtherapie.
  • Chirurgischer Behandlungs-/Verbandsraum mit der Möglichkeit der Hydrotherapie
  • Operationseinheit innerhalb der Brandverletztenstation mit täglicher Operationsmöglichkeit
  • Möglichkeit der kontinuierlichen bakteriologischen Überwachung
  • Einrichtung zur kontinuierlichen arterio-venösen Haemofiltration bzw. Dialyse
  • Fotodokumentation

3.2. Personelle Ausstattung der Zentren

a) Ärztliche Leitung
Der Leiter eines Zentrums für Brandverletzte sollte Arzt/Ärztin für Plastische Chirurgie oder Chirurgie/Unfallchirurgie sein. Daneben muss er/sie die Zusatzqualifikationen für die spezielle intensivmedizinische Therapie und die handchirurgische Versorgung aufweisen.

Vor Übertragung der leitenden Funktion sollte eine mindestens zweijährige Tätigkeit in verantwortlicher Position in einem Brandverletztenzentrum stehen.

b) Ärztlicher Dienst
Für je zwei Patientinnen/Patienten sollte ein Arzt/Ärztin für zur Verfügung stehen.

c) Pflegedienst
Im Rahmen eines Schichtdienstes ist zusätzlich zu den Führungskräften je eine Pflegekraft pro Patient und Schicht anzustreben. Eine ausreichende Überwachung intensivpflichtiger und /oder beatmeter Patienten ist in jedem Fall sicherzustellen.

d) Weitere Dienste

Zu gewährleisten ist ferner:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Kontinuierliche bakteriologische Überwachung oder enge Kooperation mit einem externen bakteriologischen Labor
  • Verfügbarkeit von Kulturhaut
  • Psychologische Betreuung
  • Betreuung durch Sozialdienst

4. Rehabilitation

Die Rehabilitation lässt sich die Akutbehandlung, die Frührehabilitation, die weiterführende stationäre Rehabilitation und die ambulante Rehabilitationsphase gliedern. Parallel hierzu schließt sich die berufliche und soziale Reintegration an.

Akutbehandlung und Frührehabilitation finden in den Brandverletztenzentren statt. Eine enge Anlehnung und Verzahnung der weiteren Rehabilitationsmaßnahmen mit den Brandverletztenzentren ist wünschenswert, da operative Korrektureingriffe bei dieser speziellen Patientengruppe essentieller Bestandteil aller Rehabilitationsphasen sind.

5. Nachsorge

Die Einrichtung eine speziellen Nachsorgesprechstunde ist hilfreich für die Planung weiterer Rehabilitationsmaßnahmen, für die Beurteilung der Wund- und Narbenentwicklung, für die Indikationsstellung eventuell indizierter Korrektureingriffe, und als Anlaufstelle für die Koordination der beruflichen und sozialen Reintegration des Patienten durch Sozialdienste und Berufshelfer. Darüber hinaus ist eine solche Sprechstunde von eminenter Bedeutung als Anlaufstelle für die Patienten in vielen weiteren Belangen inklusive der psychischen Betreuung.

6. Schlusswort

Die moderne Behandlung und Rehabilitation des verletzten Patienten ist eine interdisziplinäre Aufgabe. Ihr Erfolg beruht auf enger Kooperation eines ausreichend ausgestatteten medizinischen Behandlungszentrums und allen anderen beteiligten Personen und Institutionen aus den Bereichen der Versicherungsträger sowie des sozialen wie beruflichen Umfelds des Brandverletzten.

Im Mittelpunkt aller Bemühungen steht die Wiedererlangung einer bestmöglichen Lebensqualität des Patienten. Die Messung der „Lebensqualität" des Patienten ist von zunehmender Bedeutung für die Überprüfung und fortwährende Verbesserung der Qualität aller Rehabilitationsmaßnahmen. Sie dient dem Ziel erfolgreiche und kosteneffiziente Rehabilitationsprogramme zu entwickeln. Empfehlungen für die Struktur von Rehabilitationsabteilungen werden in Kürze ebenfalls durch die DGV herausgegeben.

Aktuelles

Leitlinie

Behandlung thermischer Verletzungen des Erwachsenen

Die (prä)klinische Erstversorgung, Diagnostik, Lokalbehandlung sowie die qualifizierte Nachsorge der verletzten Haut.

Rehabilitation

Empfehlungen zur Rehabilitation Brandverletzter

Eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV).

Publikationen

Medienspiegel

„Nein zu Spiritus als Grillanzünder“

Erst kürzlich wurde ein Kind durch einen Grillunfall erneut schwer verletzt. Ob im Supermarkt, Baumarkt oder in der Tankstelle – zu schnell wird zur Flasche „Spiritus” gegriffen, ohne sich über die Folgen Gedanken zu machen.

 

Termine

38. Jahrestagung

der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV)

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Zell am See
38. Jahrestagung

28. Jahrestagung

des Arbeitskreises "Das schwerbrandverletzte Kind"

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Stuttgart
, Forum - Haus der Architekten
28. Jahrestagung

ECPB 2019 Workshop of the European Club for Pediatric Burns

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Prag

22th International Congress of the ISMST

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Beijing, China

24. Workshop zur Behandlung Schwerstbrandverletzter

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Unfallkrankenhaus Berlin

7. Offenbacher Verbrennungssymposium

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Offenbach

Symposium zum 50-Jährigen Bestehen der Abteilung für Plastische, Hand- und Rekonstruktive an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt.

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Frankfurt am Main